Es war einmal ein kleiner Frosch, der hatte ein wunderschönes großes Herz am richtigen Fleck und er wollte unbedingt berühmt werden, sodass ihn alle Tiere verehren und lieben würden. Also überlegte er sich, dass er sich auf eine große Reise begeben will, um durch seine Abenteuerreise berühmt zu werden. Gedacht, getan. Er wanderte los und verabschiedete sich von seinen Freunden, die auf ihn warten wollten, wenn er von seiner großen Reise wieder nach Hause kommt. Viele fremde Tiere traf er auf seinem Weg. Aber niemand sah sein wunderschönes Herz und keiner wollte seinen phantasievollen Geschichten lauschen. Sie hatten alle keine Zeit für ihn. Das machte ihn ganz traurig und sein Herz wurde schwer wie Blei.

Plötzlich traf er an einem Wasserfall eine Zauberin, die ihn fragte, warum er hier so ganz alleine herumsitzt, während die anderen Tiere sich am Wasserufer gemeinsam unterhielten? Kleinlaut antworte Freddy: „Niemand will mir zuhören, was ich quakend von mir gebe. Keiner hat Zeit und mein Maul ist zu klein. Deswegen quake ich zu leise.“

Da hatte die Zauberin eine Idee. Sie sagte zu Freddy: „Ich sorge dafür, dass dich die anderen Tiere hören werden, in dem ich dein Maul größer werden lasse und du immer lauter und lauter erzählen kannst.“. Der kleine Frosch war so glücklich wie nie.

„Doch ich erwarte von dir eine Gegenleistung“ sprach die Zauberin. Freddy sagte zu, ohne zu zögern. Er würde alles machen, nur um berühmt und beliebt zu werden.

Was Freddy nicht wusste, ist, wer die Zauberin in Wahrheit war. Der kleine Frosch war so besessen, unbedingt berühmt zu werden, dass er gar nicht die Mahnungen seines Herzens vernahm. Aufgeregt hüpfte er ins Wasser und sprang anschließend mehrmals durch den Wasserfall, als würde er die Bedenken seines reinen Herzens von sich spülen wollen.

So sprach die Zauberin: „Ich zaubere dein Maul groß und größer, damit du all deine Geschichten laut und immer lauter verkünden kannst. Mit jeder Geschichte, die du den anderen Tieren nicht von Herzen erzählst, sondern sie falsch und übertrieben interpretierst, bekomme ich jedes Mal ein Stück aus deinem reinen Herzen. Abgemacht?“

Freddy zögerte nicht lange und dachte bei sich: „Mein Herz ist so groß. Schließlich würde ich dafür berühmt und geliebt werden.“. Er sagte zu und ging das Bündnis ein. Die Zauberin murmelte ihren Spruch und wedelte mit ihrem Zauberstab über den kleinen Frosch. Und so geschah die Wandlung.

Eilig hüpfte Freddy zu den anderen Tieren, um endlich so berühmt zu werden. Eifrig fing er an zu erzählen. Eine Traube von Tieren sammelten sich um ihn herum und lauschten seiner herzlichen Phantasie. Freddy hatte zwar ein größeres Maul bekommen und konnte schon etwas lauter quaken, aber die Tiere übersahen ihn zum Teil immer noch, weil er ein kleiner Frosch war.

Eine Hyäne säuselte zu ihm, dass er sich doch als Frosch etwas aufplustern kann und er zu seinen Geschichten einige Dinge hinzudichten könne, auch wenn sie nicht stimmen würden. Schließlich wären es ja Phantasiegeschichten und die anderen Tiere würden sicherlich denken, dass es nur Märchen seien. Das gefiel dem kleinen Frosch und so erfand er eine Geschichte, wie er angeblich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hätte. Einigen Tieren gefiel es sehr, was sie hörten und manche sprachen bewundert über ihn. Das gefiel ihm sehr und er wollte immer mehr. Alle Tiere sollten ihm zuhören und nicht nur ein paar wenige. Im seinem Eifer dichtete er zu seinen Geschichten viele neue Dinge hinzu und er ging in seinen Übertreibungen förmlich auf. Diese hatten allerdings immer weniger mit phantasievollen Geschichten aus seinem Herzen zu tun. Einige Tiere klebten förmlich an seinem Maul, welches immer größer und größer wurde.

Was der kleine Freddy nicht an sich bemerkte, dass sein Herz bei jeder seiner erfundenen Geschichte über anderen Tiere immer kleiner und kleiner wurde. Mit der Zeit wiederholte er nur noch seine Geschichten. Sein Herz schwand und mit ihm auch seine Phantasie. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Tiere von ihm gelangweilt abwandten. Sie wollten nichts mehr von seinen herzlosen Erzählungen hören. Sie hatten sich an ihm sattgehört und wollten ihre Zeit nicht mit sinnlosen Geschichten vergeuden. Manchmal kamen neue Tiere dazu, die von ihm gehört hatten. Sie wollten ihn auch sehen und seinen Geschichten lauschen. So wie sie kamen, so gingen sie auch wieder. Je größer sein Maul, desto kälter und kleiner wurde sein Herz. Je mehr sich die Tiere von ihm abwandten, umso lauter schrie und spuckte er seine Geschichten aus seinem großen Maul heraus. Zum Schluss waren nur noch gelangweilt die aufgeplusterte Elster, der hinterlistige Fuchs, die falsche Schlange, der intrigante Affe und der störrische Esel bei ihm, die ihm Freundschaft vorheuchelten.

Als sich Freddy seine neuen Freunde ansah, bemerkte er, dass ihn zwar alle Tiere kannten, aber ihn niemand liebte. Noch nicht einmal sich selbst konnte der kleine Frosch lieben.

Plötzlich regte sich etwas in ihm. Ein schwaches Klopfen in seiner Brust. Sein Herz. Einst war es groß und rein. Jetzt ist es nur noch winzig klein und gar nicht mehr fein.

Er schließt sein viel zu großes Maul und kommt zur Ruh. Einst hörten ihm viele Tiere zu.

Klopf – klopf, klopf – klopf, noch ist es da und Freddy hört ihm endlich wieder zu.

(Text: Katrin Behr)