Hör auf dein Herz und lerne nein zu sagen, wenn es nötig ist

Ich liebe das Thema Persönlichkeitsentwicklung (das ist so schön vielseitig) und den Austausch mit Gleichgesinnten. Ich finde, dass das ein sehr interessantes und breit gefächertes Thema ist. In den letzten Monaten habe ich mir viel Zeit genommen, um zu überlegen, was für mich persönlich wichtig ist und was mir in meinem Leben Freude und Leichtigkeit erzeugt. Dies geschah aus gesundheitlichen Gründen und weil ich den Weg der Genesung gehen will. Deshalb ist für mich ein regelmäßiger Tiefgang zu meiner Seele und zu meinem Herzen wichtig. Manchmal vergesse ich das und dann fühle ich mich müde und ausgelaugt. Und manchmal ignoriere ich es auch.

Das Leben zeigt immer zwei Seiten der Medaille und das finde ich super. Es gibt nicht nur heiß oder kalt, hell oder dunkel, Tag oder Nacht. Nein, alles ist im ständigen Wandel. Mit unserem Kopf können wir denken und verstandesmäßig entscheiden (freier Wille), aber nur mit unserem Herzen können wir fühlen, ob sich für bestimmte Dinge, Angelegenheiten oder Entscheidungen richtig oder falsch anfühlen.

Doch da ist immer noch die Außenwelt, die großen Einfluss auf uns nimmt. Sei es die Familie oder der Freundeskreis, das soziale oder berufliche Umfeld. Immer wieder fordert und fordert irgend jemand etwas, meist unbewusst und teilweise auch ohne Rücksicht auf Verluste. Es scheint in der heutigen Zeit schon fast vollkommen „normal“ zu sein, dass alles in einer Art von Selbstverständlichkeit stattfindet. Wenn wir plötzlich anfangen „nein“ oder „stop“ zu bestimmten Dingen zu sagen, werden wir angeschaut, als würden wir von einem anderen Planeten kommen.

Wie haltet ihr das mit dem „nein“-sagen? Fällt euch das leicht oder doch eher schwer?

Ich liebe es zu geben, zu helfen wo ich kann und wo man mich benötigt. Manchmal sage ich auch nein, weil ich zum Beispiel nicht die richtige Person bin, um bei einem speziellen Problem helfen zu können oder weil ich irgend etwas nicht tun möchte. Das ist dem Anderen gegenüber ehrlich und fair, im Vergleich dazu, wenn ich permanent „ja“ sagen würde und doch nicht helfen könnte oder bei irgend etwas nicht mitmachen möchte. Es gibt Menschen die können mit Leichtigkeit mein „nein“ akzeptieren und es gibt Menschen, die mein „nein“ nicht verstehen wollen oder können.

Das finden sie in ihren Augen nicht für angebracht und weil sich diese Menschen verletzt fühlen / gekränkt zeigen, ist man manchmal geneigt in die Versuchung zu kommen, aus einem bereits gesprochenen „nein“ ein „ja“ zu machen. Bei meinen Kindern fällt mir das nein-sagen nicht immer leicht. ?Davon könnte ich ein Lied singen. Damit ich noch viel mehr lerne, auf mein eigenes Herz zu hören, halte ich es für sinnvoll, kurz innezuhalten und erst dann mit „ja“ oder „nein“ zu antworten.

Letztendlich geht es darum, den Spagat zu schaffen sich selbst treu zu bleiben und gleichzeitig liegt es einem fern, seine Mitmenschen zu verletzen. Doch passiert mit einem selbst, wenn man nachgibt, nur um der anderen Person recht zu machen und sie nicht zu verletzen?

(Kinder, Partner, Familie, Freunde und Kollegen sind übrigens die besten Versuchskaninchen, durch die du fleißig üben kann ?)

Wenn wir immer wieder nachgeben und unsere persönlichen Grenzen überschreiten lassen, verletzen wir uns selbst und das fühlt sich nicht gut an, im Gegenteil.

Stellt euch mal vor, jemand würde euch ständig um etwas bitten und obwohl ihr euch bei der einen oder anderen Wunscherfüllung nicht wohl fühlt, versucht ihr den Wunsch der Person trotzdem zu erfüllen. Das macht ihr vielleicht einige Male und irgendwann sprecht ihr es klar und deutlich an, dass ihr für das eine oder andere Problem nicht die richtige Person für die Lösung seid und sie / er sich jemand anderes suchen muss, der genau dafür geeignet ist. Im Normalfall ist das nachvollziehbar und in Ordnung. Doch manche Personen reagieren völlig gekränkt auf ein „nein“, weil sie es z.B. als eine mangelnde Wertschätzung gegenüber ihrer eigenen Person ansehen.

Wir können nur die Verantwortung für unser „ja“ und „nein“ übernehmen und darauf achten, dass ein „nein“ ein „nein“ bedeutet und bleibt, wenn wir es für richtig erachten. Punkt.

Ich weiß, es ist viel leichter zu schreiben, als es mitunter in der Realität umzusetzen. Doch es lohnt sich. Wenn ich zurückdenke, wie ich vor Jahren anfing zu lernen „nein“ zu sagen. Das war und ist bis heute nicht immer einfach, das könnt ihr mir glauben. Ich lerne es täglich immer wieder aufs Neue.

Vielleicht hilft euch diese kleine Übung im Fall eines gekränkten Gegenübers, der bei euch möglicherweise Knöpfe drücken konnte. Im Übrigen sind das unsere inneren verletzen Kinder, die da so reagieren. Das merkt ihr vor allen dann, wenn ihr nicht in eurer Mitte seid und euch verletzt fühlt.

Setzt euch bitte für einen kleinen Moment hin, atmet bewusst und langsam in den Bauchraum ein und wieder aus. Macht das ruhig ein paar Mal. Werdet euch bitte dabei bewusst, dass es gerade so ist, wie es ist und mit dieser Annahme der Situation seid ihr in der Lage zu fühlen und zu schauen, an wen oder was euch das erinnert. Wer hat z.B. in eurer Kindheit immer „nein“ zu euch gesagt (Mutter, Vater, Geschwister, Lehrer, ihr zu euch selbst)? Das gilt für beide Seiten, sowohl für den, der ein „nein“ akzeptieren darf und nicht will oder kann, aber auch für den, dessen „nein“ nicht vom Gegenüber akzeptieren werden will oder kann.

Ich wünsche euch eine tolle Zeit.

In diesem Sinne,

eure

Katrin Behr